Geburt

 

 

Bevor die Zuchtkatze zum Kater gebracht wird, sollte der Impfstatus aktualisiert werden, damit ihre Jungtiere vom Impfschutz der Mutter profitieren können. Ebenfalls sollte sie entwurmt werden. Eine trächtige Katze benötigt, wenn sie gesund und kräftig ist, keine Sonderbehandlung. Allerdings ist eine gehaltvolle Ernährung wichtig. Das Angebot richtet sich nach Appetit der Katze und Anzahl der zu erwartenden Babies. Gegen Ende der Trächtigkeit sollte es jedoch nicht mehr als 50% der Normalmenge sein. Wichtig ist hier die Qualität des Futters, nicht die Quantität! Ebenfalls wichtig für eine gute Entwicklung der Kitten sind Licht und Sauerstoff.  Auch die gewohnte Bewegung ist weiterhin gut für die Mutter, denn tragende Katzen sind geradezu in Bestform. Es heißt zwar, sie sollte an zu gewagten Sprüngen und Tobereien gehindert werden, doch in der Natur muß eine Katze auch bis zur Geburt ihr Futter besorgen. Wird die Katze jedoch zu ruhig gehalten, könnte ihre Muskulatur darunter leiden. Allerdings sind jegliche Streßsituationen, wie z.B. Reisen, Ausstellungen oder Streitereien unter den Katzen, zu vermeiden. Medikamente NIE ohne tierärztliche Anweisung geben!

Ab der 5.-6. Woche ist zu erkennen, dass der Bauch dicker wird und ab der 7. Woche die ersten Kittenbewegungen.

Vor dem errechneten Termin sind folgende Vorbereitungen

zu treffen:

·       Wurfkiste an einem ruhigen Platz bereitstellen. (Wäschekorb oder Karton in geeigneter Größe; am besten mit der Möglichkeit einen Deckel über zu legen. Die meisten Katzen lieben Höhlen. Somit vermeiden sie, dass ihre Katze an einem aus ihrer Sicht ungeeigneten Ort wirft.

·       Die Wurfkiste wird mit einer festen Unterlage, z.B. Schaumstoff und sauberen Tüchern ausgelegt. Bitte keine Frotteetücher verwenden, denn die Kitten können anfangs ihre Krallen noch nicht einziehen und können in den Schlingen hängen leiben.

·       Die Katze sollte frühzeitig an die Wurfkiste gewöhnt werden.

Um den 10. Tag vor dem errechneten Geburtstermin ist die kritische Zeit der Trächtigkeit. Zu diesem Zeitpunkt kommt es zu den meisten Komplikationen, wie z.B. Fehlgeburten. Fehlgeburten verlaufen wie eine normale Geburt, werden aber meistens von starken Blutungen begleitet. Auch wenn die zu früh geborenen Kitten ein ausreichendes Gewicht haben, sind sie nicht lebensfähig. Bei Fehlgeburten sollte ebenfalls ein Protokoll geführt werden.

Ab dem 60. Tag sollte die Katze nachts nicht mehr ohne Aufsicht bleiben. Jetzt sollte auch der Tierarzt von dem bevorstehenden Ereignis informiert werden. Die tierärztliche Versorgung muss geklärt werden, falls die Geburt auf das Wochenende fällt.

Folgendes sollten Sie für die Geburt in der Nähe der

 Wurfkiste bereit legen:

·       Desinfizierte Verbandsschere

·       Zewa-Tücher

·       Laken zum Wechseln

·       Frotteetücher

·       Abfalleimer

·       Waage, am besten digital und in 5er-Schritten

·       Schuhkarton mit Moltontuch

·       Wärmflasche

·       Schüssel für warmes Wasser (ohne Desinfektionsmittel!)

·       Papier und Stift (Geburtsprotokoll)

·       Evtl. Atemstimulans (z.B. Respirol oder Dopram-V)

Nun kann man nur noch warten. Wenn die Katze schnurrend in ihrem Korb liegt, läßt sie sich gerne ihr dickes Bäuchlein streicheln. Sie wird ihnen aufgeregt und maunzend folgen, sobald sie das Zimmer verlassen. Katzen, die sehr auf ihre Menschen bezogen sind, möchten diese als Unterstützung bei der Geburt dabei haben. Sind sie nicht in der Nähe, wird die Katze sie evtl. holen, sobald sie merkt, dass es losgeht oder sie wird sogar auf sie warten. Die Katze fällt von einem Extrem ins nächste und vermittelt mehrmals am Tag, dass es gleich soweit ist. Sie sucht überall nach einem Wurfplatz; meist sind es die unmöglichsten Stellen im Haus/Wohnung. Diese ersten Anzeichen lassen hoffen, dass es nun bald losgeht. Die Milchleisten schwellen 1-2 Tage, manchmal aber auch schon mehrere Tage vorher an und auf Druck kommt bereits Kolostralmilch.

Die Tragzeit bei Katzen liegt bei 63 – 70 Tagen, ab dem ersten Decktag gerechnet. Solange sich die Katze wohl fühlt und die Föten sich bewegen, besteht kein Grund zur Beunruhigung. Ein Kaiserschnitt kann oft vermieden werden, wenn man den Signalen der Katzen vertraut und erst einmal abwartet. Etwa 24 Stunden vor der bevorstehenden Geburt sinkt die Körpertemperatur von normal 38,6 Grad um ein Grad ab. Aber nicht jede Katze lässt sich die ständigen Messungen gefallen. 

Im Normalfall kommt die Katze mit der Geburt ganz gut allein zurecht, doch sollte man sich nicht nur auf den Spruch „Die Natur macht das ganz allein!“ verlassen. Bei einer Geburt sind viele Komplikationen möglich, auf die man sich besser vorher vorbereitet,  statt davon überrascht zu werden.

Die Geburt beginnt mit den Eröffnungswehen, bei denen sich die Geburtswege erweitern und die Ungeborenen abwechselnd aus den beiden Hörnern in Richtung Geburtskanal geschoben werden. Diese Phase kann oft mehrere Stunden dauern und fängt oft unbemerkt an. Nun liegt die Katze bei verstärkter Atmung schnurrend in der Kiste und man sollte sich vorher noch einmal gründlich die Hände waschen, allerdings ohne Desinfektionsmittel um die Neugeborenen nicht durch den Geruch zu irritieren. Unruhe sollte jetzt vermieden werden und die anderen Katzen das Zimmer verlassen, außer die werdende Mutter will eine Hebamme dabei haben, die sie sich schon vorher ausgesucht hat. Es wird eine Schüssel mit heißem Wasser bereit gestellt und Block und Stift liegen bereit um alles zu notieren um auch bei möglichen Komplikationen später genaue Auskunft darüber geben zu können. Damit die Neugeborenen nicht auskühlen, sollte die Raumtemperatur nicht unter 22 Grad liegen, denn die Kitten können in den ersten Tagen ihre Temperatur noch nicht selbstständig regulieren. Die ersten Wehen gehen über in deutliche Kontraktionen der Hinterleibsmuskel; erst in größeren, dann in immer häufiger werdenden Abständen. Durch den Druck, den die Katze nun im Beckenbereich spürt, pendelt sie oft zwischen Wurfkiste und Toilette hin und her. Daher ist es besonders wichtig ein Auge auf die werdende Mutter zu haben, damit kein Kitten auf der Toilette zur Welt kommt und ins Streu fällt. Besonders nervöse Katzen sind nur schwer in der Kiste zu halten. Jedoch tut vielen Katzen die Bewegung zwischen den Wehen gut, da sie entkrampfen und die Wehentätigkeit anregen. Nun kann mit dem ersten Kitten gerechnet werden.

Liegt das erste Kitten vor dem Geburtskanal gehen die Eröffnungswehen in die deutlich kräftigeren Presswehen über. Im Mutterleib platzt die äußere Fruchthülle, das Fruchtwasser tritt aus und am Scheidenausgang zeigt sich die innere Fruchthülle mit dem darin liegenden Kitten. Während der Austreibungsphase stützen sich viele Katzen an den Seiten der Wurfkiste ab und sind dankbar, wenn man ihnen während der Wehen den Rücken stützt. Das Kitten wird im Normalfall innerhalb von 1-30 Minuten nach einsetzen der Presswehen in der Fruchthülle geboren. Beim Austritt des ersten Kittens kann die Katze große Schmerzen haben und schreien; oft auch zubeißen. Hier ist wieder der Züchter gefragt, der die Mutter unbedingt daran hindern muss in das evtl. sogar noch feststeckende Baby zu beißen. Ob das Kitten in Kopf- oder Steißlage geboren wird, ist nicht wichtig. Nur mit an den Köper angelegten  Hinterbeine kann es zu Problemen kommen, aber das passiert selten. Nur im Notfall sollte man an dem Kitten ziehen oder es in den Geburtskanal zurück schieben. Allerdings niemals am Schwanz oder an den Hinterbeinen ziehen. Erst wenn das Kitten zur Hälfte sichtbar ist, kann es notfalls mit der Hand um den Körper gefasst und bei der nächsten kräftigen Wehe heraus gezogen werden. Dies ist jedoch nichts für unerfahrene Geburtshelfer. Die Mutter öffnet die Fruchthülle, falls diese nicht schon bei der Geburt aufgerissen ist und beginnt im Kopfbereich das nasse Baby zu putzen. Danach frisst sie die Plazenta und durchtrennt die Nabelschnur. Hier sollte der Züchter darauf achten (besonders bei unerfahrenen Katzen), dass die Mutter nicht zu kurz abnabelt. Man hält einfach Daumen und Zeigefinger zwischen Bauchdecke und Zähne. Kräftige und gesunde Kitten beginnen anschließend zu schreien und beginnen mit schaukelden Bewegungen des Kopfes die Zitze zu suchen. Es hängt meist schon fest an der Zitze, wenn die Geschwister geboren werden. In dieser Geburtsphase kann es notwendig werden der Mutter zu helfen. Ist die Mutter zu erschöpft sich genügend um die Neugeborenen zu kümmern, muss man ohne zu zögern helfen. Oder aber die Kitten kommen zu schnell nacheinander, so dass die Mutter nicht genug Zeit hat, um alle ausreichend zu versorgen. Nach einer gewissen Zeit werden die Mütter nervös und wollen evtl. mit dem Neugeborenen aus der Kiste springen. Daran müssen sie unbedingt gehindert werden, da die Gefahr eines Nabelbruchs besteht. Deshalb sollte man spätestens nach 15 Minuten selbst abnabeln. Die Nabelschnur wird 2-3 cm von der Bauchdecke entfernt blutleer gerieben und durchtrennt. Übernimmt die Mutter nicht, öffnet man die Fruchthülle, damit das Kitten nicht erstickt und versorgt es wie es die Mutter tun würde. Mit einem sauberen und trockenen Tuch erst Nase und Mäulchen säubern und versuchen die Atemwege von evtl. eingeatmetem Fruchtwasser zu befreien. Absaugen oder ausschleudern; beides muss sehr vorsichtig geschehen! Es darf kein störendes Atemgeräuch mehr zu hören sein. Anschließend mit einem Frotteetuch trocken und warm reiben. Die meisten Katzen fressen die Nachgeburt, aber nicht alle mögen das. Sie sollten unbedingt die Anzahl und Vollständigkeit der Planzenten notieren. Hat ein Kitten zulange im Geburtskanal fest gesteckt, kommt es fast leblos zur Welt. Dann muss die Versorgung durch den Helfer schnellstmöglich erfolgen. Ein Atemstimulanz kann zusätzlich auf die Zunge gegeben werden. Am wichtigsten ist jedoch das Neugeborene  kräftig zu massieren, mindestens eine halbe Stunde lang. Zeigt es dann Lebenszeichnen wird mit den Bemühungen fortgefahren bis es normal atmet und warm und trocken ist. Dann werden die Kitten gewogen und das Geschlecht ermittelt. Das gefällt den Kleinen natürlich nicht und sie schreien heftig. Dadurch entfallten sich ihre Lungen gut. Eine Gewichtsabnahme vom ersten auf den zweiten Tag ist oft normal, dann sollten die Kitten allerdings täglich zwischen 10-20 g zunehmen. Nimmt ein Kitten ohne ersichtlichen Grund ab, könnte die Ursache eine Gaumenspalte sein. Dieses Kitten kann nicht trinken und ist somit nicht überlebensfähig. Eine andere Ursache könnte Fruchtwassersein, dass bei der Geburt in die Lunge gelangt ist. Eine Lungenentzündung entsteht und man kann deutlich sehen wie das Kitten nach Luft schnappt. Leider kann auch hier der Tierarzt meist nicht helfen. Anschließend werden die Kitten auf Missbildungen untersucht. Schiefhaltung von Gliedmassen und/oder leichte Deformationen des Kopfes können durch die vorgeburtliche Lage bedingt sein und gehen nach wenigen Tagen zurück.  Wie schon erwähnt bekommen manche Katzen ihre Babys so schnell, dass sie unsere Hilfe bei der Versorgung benötigen. Bei anderen Katzen wiederum setzen die Wehen für einige Zeit ganz aus und die Kitten kommen in größeren und unregelmäßigen Abständen von beispielsweise 1-2 Stunden. Oder aber die Geburt scheint beendet und am nächsten morgen befindet sich ein weiteres Kitten in der Wurfkiste.

Sollte die Katzen bei der Geburt der Geschwister sehr unruhig sein, ist es besser die bereits geborenen Kitten heraus zu nehmen und in einen vorgewärmten Karton zu legen. Aber nicht jede Mutter toleriert das. Sollte sie aus der Kiste springen wollen, muss man die Babys wieder zurück legen. Ist die Geburt inkl. aller Nachgeburten abgeschlossen, ist für die erschöpfte Mutter eine kleine Stärkung mit Catmilk und Traubenzucker genau das Richtige.

 

Mögliche Komplikationen:

 

1.    Schleim-/Blutabsonderung:

Schon einige Wochen vor der Geburt können leichte Schleimabsonderungen auftreten; sie aber meist unbedenklich.

2.  Ausbleibende Wehen:

Sollte die Geburt bis zum 70. Tag nicht von selbst beginnen, sollte man zum Tierarzt gehen.

3.  Wehenschwäche:

Auch hier sollte man zum Tierarzt gehen. Sollte sich durch eine Wehenspritze immer noch nichts tun, wird ein Kaiserschnitt notwendig.

4.  Erfolglose Presswehen (länger als 1-2 Stunden),

ohne das ein Kitten geboren wird:

Die Ursache könnte ein Fötus (meist tot) in Querlage, das Eintreten von zwei Kitten in den Geburtskanal oder auch ein Verkrampfung sein. Hier muss ebenfalls der Tierarzt helfen. Jedoch sollte man sich darauf einstellen, dass die Geburt unterwegs doch noch spontan erfolgt.

5.  Gebärmutterentzündung:

Eine fehlende Plazenta oder auch nur ein Teil davon, der in der Gebärmutter zurück bleibt, kann zu einer Gebärmutterentzündung führen. Die Plazenta kann noch bis 36 Stunden nach der Geburt ausgestoßen werden. Anderenfalls wird der Tierarzt ein Antibiotikum verabreichen. Bei sehr seltenen Zwillingsgeburten gibt es nur eine Plazenta für zwei Kitten!

 

Handaufzucht

 

Wenn eine Katze keine Milch hat, müssen die Kitten mit Aufzuchtmilch von Hand aufgezogen werden. In der ersten Woche muss alle zwei Stunden, auch nachts, gefüttert werden. In der zweiten Woche genügt nachts alle drei bis vier Stunden. Ist die Mutter dabei, wird sie den Putzvorgang übernehmen. Sind die Kleinen jedoch Waisen, weil die Mutter Freigänger ist und nicht zurück kommt, massiert man das Bäuchlein und die Aftergegend, damit sich die Kitten entleeren.

Ab der 3. bis 4. Woche können die Kitten Nassfutter oder eingeweichtes Trockenfutter fressen. Ab da sollte dann auch ein Katzenklo bereit stehen. Die Kleinen werden in der Regel sehr schnell sauber, was aber nicht ausschließt, dass mal ein Malheur passiert.